Donnerstag, 15. August 2013

Hallo Malaria…



Am Abend meines Geburtstags bekam ich Kopfschmerzen, soweit nichts Ungewöhnliches. Leider kamen dann noch Fieber und Schüttelfrost dazu und es war mittlerweile Sonntag. Da im direkt ans Haus der Schwestern angrenzenden Health-Center die Malariaschnelltest aufgebraucht waren, kam ich somit doch noch in den „Genuss“ kurzzeitig Patientin in einem der ruandischen Krankenhäuser zu sein, genauer gesagt in dem chinesischen Krankenhaus etwas außerhalb von Masaka. Nachdem dort der Malariaschnelltest positiv ausfiel bekam ich Medikamente und schon ging es auch wieder zurück nach Hause nach Masaka. Ich erinnere mich daran dass die starken Kopfschmerzen mich echt benommen fühlen ließen und dass die nächtlichen Frier- und Fieberschübe das schlafen behinderten. Das Ganze war aber nachdem ich die Medikamente nahm auch schon nach 4 Tagen wieder vorüber. Obwohl ich auf diese Erfahrung nicht wirklich stolz bin, wurde mir gesagt dass ich erst jetzt wirklich von mir behaupten kann in Afrika gewesen zu sein… !?!



Meine ruandische Geburtstagstaufe



Am 19.07. dieses Jahres bin ich 20 geworden. Ich finde wo jetzt schon eine „2“ bei meinem Alter vorne steht, bin ich gar nicht mehr sooo jung, aber wenn ich hier auf die Frage, wie alt ich denn jetzt geworden bin sage: „Ich bin jetzt 20!“ dann kam immer die Reaktion: „Oh, du bist ja noch ein Baby!!“. So unterschiedlich sind eben Sichtweisen.

Mein Geburtstag war ein Freitag und der letzte richtige Schultag des 2.Terms, nachdem wir die Endexamen beendet hatten. Teacher Robert erklärte den Kindern unserer Middle Class A dass heute mein Geburtstag sei sobald ich in die Klasse kam und so wurde ich von meinen Kindern mit einem Geburtstagsständchen begrüßt! Sobald die Abschlussexamen des 2.Terms begannen machte ich auch keine Büroarbeit mehr sondern half Robert wieder in unserer Middle Class A beim abnehmen der Examen.
Geburtstagslieder gesungen zu bekommen ist generell etwas echt tolles habe ich festgestellt! So viele Geburtstagsständchen wie an diesem Geburtstag habe ich auch noch nie bekommen glaube ich. Meine Klasse sang für mich, Eilikas Klasse sang für mich (in der ich ja auch eine Zeit lang mit unterrichtet hatte), alle Lehrer mit Sr. Cécile der Schulleiterin sangen für mich, die Schwestern sangen beim Abendessen für mich, die Besucher aus der Schweiz sangen für mich, meine Eltern und Brüder sangen bei Skype für mich, meine Patentante sang für mich und mein kleiner Cousin sang auch ansatzweise für mich. Insgesamt waren all diese Ständchen in den Sprachen: Englisch, Französisch, Kinyarwanda, Italienisch und Deutsch.

Als die Lehrer für mich sangen wurde ich von einem traditionellen ruandischen Geburtstagsritual überrascht: Plötzlich hob mich einer der Lehrer hoch, während die anderen mir Wasser und Blumen über den Kopf schütteten! Die ruandische Geburtstagstaufe. Das Wasser und die Blumen sollen „Leben“ und „Gesundheit“ symbolisieren. Ich muss wohl ziemlich perplex ausgesehen haben, da ich diese Tradition zuvor auch noch nicht gesehen hatte. Jedenfalls war es ziemlich lustig für alle Beteiligten, mich eingeschlossen!

Von Eilika und unseren Besuchern aus der Schweiz wurde ich abends total lieb, mit einem heimlich vorbereiteten Geburtstagskuchen überrascht, mit Wunderkerzen und einer aus Babybananen gelegten „20“. Auch das war eine sehr gelungene Überraschung!




 Hiermit möchte ich mich auch gleich für die vielen lieben Geburtstagswünsche per Brief, Postkarte, Lied, Anruf, Sms, Email, Facebook und vor allem bei Skype bedanken! Es ist immer wunderbar zu sehen dass so viele an mich denken, ganz ganz lieben Dank dafür euch allen dass ihr meinen afrikanischen Geburtstag noch besonderer gemacht habt!

Besuch Giacomo & Co



Anfang Juli kamen Giacomo und seine Familie aus der Schweiz, die Schwestern hier in Masaka besuchen für insgesamt fast einen Monat. Seine Frau und er adoptierten vor circa 5 Jahren ein ruandisches Babymädchen Nicole MANISHIMWE dass Sr. Goretti eines Abends vor dem Health Center liegend fand. Sie gründeten eine Organisation mit dem Namen MANISHIMWE, die die Schulen der Schwestern hier in Masaka unterstützt. Um Nicole ihr Herkunftsland zu zeigen, kamen sie diesen Sommer für 4 Wochen. 

http://www.manishimwe.ch/








Zahnputzprojekt



Wenn man an Afrika denkt gibt es schon dieses Standardbild in den Köpfen vieler, von nackten und schmutzigen Kindern mit Wasserbäuchen und schlechten Zähnen. Wasserbäuche habe ich hier noch nie gesehen und nackte Kinder eigentlich auch kaum. Ruanda ist sehr bemüht in so vielen Dingen wie möglich europäischen Standard anzustreben, was eigentlich schade ist, weil so mehr und mehr auch Teile der Kultur in Vergessenheit geraten und verloren gehen. Früher liefen die Kinder zwar hauptsächlich nur im Lendenschurz rum mit Perlenketten um den Hals, aber irgendwie sah das meiner Meinung nach eleganter aus und weniger nach Armut als wenn die Kinder so wie jetzt oft täglich in dem gleichen kaputten T-Shirt und der gleichen Hose rumlaufen. Viele haben schon nur ein oder zwei Alltagskleidungs-Outfits neben der Schuluniform aber dass die dann auch ständig dreckig sind ist eigentlich nicht verwunderlich. Hier gibt es eben weniger asphaltierte Straßen, wodurch alles eben etwas dreckiger und staubiger ist besonders in der Trockenzeit und schlammiger in der Regenzeit.  Da die Kinder immer, wirklich immer nur draußen spielen, ist das nicht verwunderlich dass sie dabei oft so dreckig werden und ich glaube dass meine Klamotten als ich so alt war auch oft nicht viel besser aus sahen. Ich denke dass die Kinder bei diesem spielen echt glücklich sind und irgendwie viel davon mitnehmen, vor allem weil auch alle Nachbarschaftskinder oft zusammen spielen und so zusammen aufwachsen. Ich meine ich kann nicht behaupten: „Ach Afrika ist gar nicht so wie ihr euch das vorstellt!“ Vorurteile haben ja auch irgendwo ihren Teil an sinnvollem Ursprung. Ich möchte bloß erklären dass all dieses Mitleid für Afrika in dem Maße nicht nötig ist. Klar kann man nur das Schlechte und Unmenschliche sehen und ich sage auch gar nicht dass es falsch ist sich dafür einzusetzen und daran etwas verändern zu wollen, ich will bloß sagen dass man ja immer das Ganze betrachten muss. Deswegen gibt es in Afrika eben auch nicht bloß und überall nackte und schmutzige Kinder mit Wasserbäuchen und schlechten Zähnen aber natürlich gibt es sie auch und was daran zu ändern ist gut aber man muss die Realität ja nicht überdramatisieren.

Lange Rede kurzer Sinn: 

Als Kind von zwei Zahnärzten bin ich unweigerlich sensibilisiert auf Zahnpflege, das bringt das so mit sich und ich denke auch nicht dass das etwas Negatives ist, im Gegenteil.
Einige der Kinder unserer Schule hier haben schon ziemlich schlechte Zähne. Auf das Thema Zahnpflege wird eben noch nicht so konzentriert hingewiesen, es gibt nicht so viele Zahnärzte.  Somit entstand die Idee eines Zahnputzprojektes. Mit der Unterstützung meiner Eltern per Zahnbürstenspende konnte es dann auch losgehen. Eine Infotafel hauptsächlich für die Eltern, aber auch zum anschauen für die Kinder gestaltete ich draußen und so führte ich das Zähne putzen nach dem Porridge in der neuen Primary School und in Top Class in der Nursery School ein. Ihre Zahnbürsten lassen die Kinder in der Schule, da die Lehrer nicht jeden Tag Zeit dafür finden durch den Unterrichtsstoff, putzen die Kinder ca. an 3 der 5 Schultagen nach dem Porridge ihre Zähne. Das solch ein Projekt funktioniert ist abhängig von der Unterstützung der jeweiligen Lehrer, mal funktioniert es gut und mal eben auch leider weniger, es ist auch schwer zu kontrollieren und die Lehrer anzuspornen. Deswegen ist die Idee oft leider besser als die Umsetzung, aber aller Anfang ist eben schwer.




Zukunftsplanung



Wenn man es nennt wie in der Überschrift klingt das irgendwie so ernst und erwachsen, aber es stimmt eben. Die Zeit bleibt ja nicht stehen, aber ich hatte mir schon bevor ich nach Ruanda ging meine Gedanken darüber gemacht. Ich werde im September eine Rettungsassistentenausbildung beginnen, dafür habe ich mich schon vor meinem Jahr in Ruanda beworben, um dann hier keinen Stress haben zu müssen, da ich schon wusste dass ich das machen möchte. Während des Jahres habe ich mich um mehrere Praktikumsplätze beworben, die Voraussetzung und Teil der Ausbildung sind. Das ging alles recht gut auch von hier aus und ich freue mich echt ziemlich darauf dass dann auch dieser neue Teil in meinem Leben beginnt!